Renko und Three Line Break: Charttypen mit integriertem Trendfilter bringen schnellen Durchblick, verschleiern aber die Trading-Realität

Um aktuelle Trends und deren Wechsel im Kursverlauf eines Wertpapiers aufzuspüren, müssen Anleger nicht unbedingt mit Linien hantieren. Denn einige Darstellungsformen von Charts liefern die unmissverständliche Trenderkennung gleich mit.

Üblicherweise werden in der Technischen Analyse Linien-, Balken- und Candlestick-Charts eingesetzt. Die weniger verbreiteten Konzepte der Chart-Konstruktion können dem Betrachter aber mitunter eine aufschlussreiche Sicht der Dinge eröffnen, die in einer Standard-Abbildung möglicherweise verborgen bleiben. In den meisten Chartprogrammen sind die eher seltenen Charttypen heute verfügbar.

Interessant sind beispielsweise die sogenannten Renko- und Three Line Break (TLB)-Charts. Denn sie bestechen durch eine integrierte Trendfiltertechnik, die den Blick des Anwenders auf das Wesentliche fokussieren soll.

Renko-Charts

Renko-Charts beschreiben die Trendsituation eines Wertpapiers eindeutig und liefern an den Wendepunkten konkrete Kauf- und Verkaufssignale. Der Chart baut sich aus einer Serie aneinandergereihter Kästchen, sogenannter Bricks (Klinker) auf. Jeder Brick umfasst dabei eine Kursspanne, die der technische Analyst zunächst einmal durch die “Boxgröße” festlegen muss. Weiße Kästchen stehen für steigende und schwarze Bricks für fallende Kurse.

Der Renko-Chart wird nun wie folgt konstruiert: Am Ende einer jeden Handelsperiode (z.B. ein Tag) ist die Frage zu klären, ob eine bestehende Brick-Reihe fortgesetzt wird oder ob ein Trendwechsel eingetreten ist. Innerhalb einer bestehenden Reihe wird ein neuer Brick („Renga“) nur dann eingezeichnet, wenn der Schlusskurs des Wertpapiers über dem Vortageshoch oder unter dem Vortagestief liegt, wobei sich die Kurse mindestens um eine Boxgröße verändert haben müssen. Eine Trendumkehr wird durch eine neue, entgegengesetzte Reihe eingeleitet, wenn nach dem eben beschriebenen Vorgehen mindestens ein Brick in Gegenrichtung eingezeichnet werden muss („Ein-Brick-Reversal“). Das Beispiel eines solchen Charts können sie in Abbildung 1 beobachten. Für den Dax Index wurde hier eine Boxgröße von 50 Punkten verwendet.

Nach der Standard-Interpretation führt ein Trendwechsel im Renko-Chart zur Beendigung bzw. zum Drehen der Position. In ausgeprägten Trends können Renko-Charts wertvolle Entscheidungshilfen liefern, denn Trendwechsel oder auch Reentry-Signale werden hier zuverlässig angezeigt. In Seitwärtsmärkten wird die Methode aber Verluste erzeugen. Doch dieser Makel haftet bekanntlich jedem trendfolgenden Ansatz der Technischen Analyse an.

Abb. 1: Renko-Chart für den Dax-Index (Boxgröße 50 Punkte). Die Zeitachse spielt keine Rolle. Nur die Stärke der Kursbewegungen entscheidet, ob ein neuer Brick innerhalb einer Reihe oder ein Trendwechsel eingezeichnet wird. So kann etwa ein Monat zahlreiche oder nur ganz wenige Bricks umfassen.DAX Renko-Chart ab Mitte Juli 2015, Boxgröße 50 PunkteChart erstellt mit www.tradesignalonline.com

Three Line Break-Charts

Der Three Line Break (TLB)- Chart besitzt gegenüber dem Renko-Chart einen entscheidenden Vorteil. Denn Trendwechsel werden hier nicht durch eine starre Umkehrregel, sondern direkt durch die Dynamik des untersuchten Basistitels generiert. TLB-Charts setzen sich aus weißen und schwarzen Blöcken zusammen, die auch als „Lines“ bezeichnet werden. Die fortlaufende Aufzeichnung erfolgt nach einfachen Regeln:

  1. Überwindet der heutige Schlusskurs das Hoch des vorigen Blocks, so wird eine weiße Line eingezeichnet. Ein schwarzer Block ergibt sich umgekehrt, wenn der heutige Schlusskurs unter dem letzten Block notiert.
  2. Wenn der heutige Höchstkurs den Höchstkurs des drittletzten schwarzen Blocks überwindet, so erfolgt eine positive Trendwende. Analog muss der heutige Tiefstkurs den Tiefstkurs des drittletzten weißen Blocks unterschreiten, damit eine negative Trendwende eintritt.
  3. „Inside-Days“ werden nicht eingetragen. Bei ihnen erreicht der Schlusskurs weder ein neues Hoch noch ein neues Tief.

Ein Beispiel der Darstellungsform finden Sie in Abbildung 2. Die Standard-Handelsregeln ergeben sich hier entsprechend dem Renko-Chart bei den Trendwechseln.

Abb. 2: Auch der TLB- Chart ist unabhängig von der Zeitachse. Er basiert jedoch nicht auf fest eingestellten Boxgrößen. Vielmehr entscheidet die aktuelle Marktdynamik, ob ein neuer Block eingezeichnet wird und wie groß dieser ausfällt. Damit liefert der TLB-Chart deutlich detailliertere Informationen als ein Renko-Chart.DAX TLB-Chart ab Mitte Juli 2015Chart erstellt mit www.tradesignalonline.com

Achtung: Tatsächlich realisierbare Ein- und Ausstiegskurse sind nicht unmittelbar erkennbar

Renko- und TLB-Charts geben den Kursverlauf eines Wertpapiers völlig unabhängig von der Zeitachse wieder. Sie besitzen eine Trendfilterfunktion, die unwichtige Seitwärtsbewegungen eliminiert und nur die signifikanten Richtungsbewegungen übrig lässt. Das Resultat ist meist eine wunderbar klare Darstellung, bei deren Betrachtung man auf den ersten Blick meinen könnte, dass man hier endlich das Mittel zur sicheren Geldvermehrung in den Händen hält. Den Abbildungen 1 und 2 folgend möchte man annehmen, dass man lediglich die Trendwechsel hätte handeln müssen, um erfolgreich jede einigermaßen markante Bewegung auszunutzen.

So einfach ist es aber leider nicht. Bevor Sie diese Charttypen real einsetzen, machen Sie sich unbedingt klar, dass entsprechend der Konstruktion mitunter schon der gesamte kurzfristige Trend vorüber ist, ehe überhaupt der Trendwechsel angezeigt wird. Eine Reihe von vier Bricks im Renko-Chart bedeutet nicht etwa, dass Sie hier eine Vier-Tages-Bewegung vorliegen haben, an deren erstem Tag Sie gemütlich kaufen konnten, um dann zum vierten Brick wieder zu verkaufen. Die Brick-Reihe kann stattdessen (je nach Box-Größe) ohne weiteres einen einzigen Handelstag repräsentieren. Falls danach gleich wieder ein Trendwechsel einsetzt, haben sie tatsächlich teuer gekauft und billig verkauft. Ein scheinbarer Gewinn im Chartbild wäre in der Realität ein Verlust. Zugunsten einer sehr klaren Darstellung werden hier also wichtige Informationen verschluckt.

Abb. 3: TLB-Chart für den Dax-Index mit Datumsabgleich über den unten zusätzlich eingefügten Candlestick-Chart. Die vertikalen Linien in rot und grün verraten, wann jeweils der betreffende Block eingezeichnet wurde. Vom kurzfristigen Trend kann zu diesem Zeitpunkt schon das Meiste gelaufen sein. So zeigt die Grafik, dass mit der TLB-Technik trotz der zwei großen Abwärtswellen des Marktes und der entsprechenden Short-Chancen seit Sommer 2015 unter dem Strich nur kräftige Verluste aufgelaufen wären.DAX TLB-Chart ab Mitte Juli 2015 im Abgleich mit täglichen CandlesticksChart erstellt mit www.tradesignalonline.com

Die kostenlos nutzbare Software tradesignalonline.com bietet aber eine zumindest partielle Lösung für dieses Problem. Denn hier können zeitunabhängige und zeitabhängige Charttypen in Kombination dargestellt werden. So wird indirekt die Zeitkomponente wieder in den Renko- oder TLB-Chart integriert. Sie sehen das Ergebnis in Abbildung 3. Im oberen Teil ist der Dax als TLB-Chart abgebildet, während unten zum Vergleich der Candlestick-Chart eingeblendet ist. Hier erfolgt nun ein Datumsabgleich. Und so können wir genau sehen, wann welche Bewegung mit ganz genauen Preisangaben im Candlestick-Chart zu neuen Blöcken in Trendrichtung bzw. zu einer Trendumkehr geführt hat. Die einzelnen Blöcke sind in der Breite soweit ausgedehnt, dass sie alle Candles umfassen, die zu ihrer Ausbildung nötig waren. Erst die letzte Kerze führte jeweils dazu, dass der neue Block eingezeichnet werden konnte. Auf diese Weise ergibt sich eine Darstellung, die eine Trendfilterung anzeigt, aber dennoch keine Informationen vermissen lässt.

Bildquelle: www.tradesignalonline.com