Optionsscheine vs. Knock-Out-Produkte

Sie heißen zum Beispiel Turbos, Mini Futures, Waves, Unlimited Turbos oder Open End Turbos und besitzen im Detail feine Unterschiede in der Funktionsweise. Insgesamt betrachtet bewegen sich diese „Knock-Out-Produkte“ (auch „K.O.-Produkte“) aber als Spekulationsinstrumente im gleichen Segment wie herkömmliche Optionsscheine (auch „Warrants“). Übergreifend spricht man hier von „Hebelprodukten“. Wer also gehebelt auf eine bestimmte Kursrichtung eines Basiswerts setzen möchte, steht vor der Entscheidung zwischen einem Knock-Out-Produkt und dem guten alten Optionsschein. Seit einigen Jahren bereichern zudem Faktor-Zertifikate die Familie der Hebelprodukte. Diese werden im nachfolgenden Vergleich jedoch ausgeklammert.

Ohne inneren Wert keine Existenz von K.O.-Scheinen

Trotz ihrer im Detail unterschiedlichen Funktionsweise besitzen Knock-Out-Produkte gemeinsame Kerneigenschaften. Die wichtigste ist die zentrale Bedeutung des inneren Werts, also des Abstands zwischen Basiswertkurs und dem jeweiligen Basispreis. K.O.-Produkte sind überhaupt nur dann existent, wenn sie einen inneren Wert besitzen. Sobald der innere Wert einmal während der Laufzeit (fast) verbraucht ist, weil der Basispreis bzw. eine davor platzierte Kursschwelle verletzt wird, verfällt das Produkt ein für alle Mal. Bei Optionsscheinen ist es hingegen unerheblich, ob der Basiswert während der Laufzeit unter den Basispreis fällt (Call) oder über den Basispreis steigt (Put). Der Warrant verliert dabei zwar weiter an Wert, wird aber nicht etwa völlig wertlos und existiert weiter.

Delta 1 bringt erhöhtes Totalverlustrisiko mit sich

Dass Knock-Out-Produkte also vorzeitig ganz oder fast wertlos verfallen können, ist ein riesiger Nachteil gegenüber Optionsscheinen. Dafür gibt es aber im Gegenzug einen ebenfalls riesigen Vorteil: Der Preis von Knock-Out-Produkten ist ganz oder weitgehend unabhängig von der Volatilität des Underlyings und diese Papiere reagieren – zumindest näherungsweise – eins zu eins auf die absoluten Kursbewegungen des Basiswerts. Knock-Out-Produkte für steigende Basiswerte („Long“) besitzen also ein Delta von (fast) 1, Short Knock-Out-Produkte eines von (fast) -1. Bei Optionsscheinen ist diese Eigenschaft allenfalls gegeben, wenn der Warrant sehr tief im Geld notiert.

Fünf Auswirkungen von Delta 1 bei Knock-Out-Produkten

  1. Der einfache Hebel ist hier aussagekräftig und (fast) identisch mit dem Omega.
  2. Die extremen Hebelwirkungen sehr billiger (und extrem (!!!!) riskanter) Knock-Out-Produkte werden ungefähr auch tatsächlich realisiert.
  3. Zukünftige Preise von Knock-Out-Produkten für bestimmte Niveaus im Basiswert sind sehr einfach zu bestimmen.
  4. Überhaupt ist der Preis von Knock-Out-Produkten sehr transparent und leicht nachvollziehbar.
  5. Volatilitätsänderungen im Basiswert sind für den Produktpreis vergleichsweise unwichtig.

Drei wichtige Aspekte für die Entscheidung zwischen Optionsscheinen und Knock-Out-Produkten

1. Das veränderliche Delta der Optionsscheine hat auch Vorteile

Wie oben angemerkt reagieren Knock-Out-Produkte nahezu perfekt eins zu eins auf die absoluten Bewegungen des Basiswerts. Sie besitzen also ein Delta von 1 (bzw. -1 in der Short-Variante). Optionsscheine hingegen haben ein Delta von 0 bis 1 (Calls) bzw. 0 bis -1 (Puts), wobei dieses Delta seinerseits Schwankungen unterliegt.

Das bedeutet für Warrants: Der einfache Hebel hat kaum eine Aussagekraft zur Einschätzung möglicher Renditechancen. Und selbst das Omega (Hebel x Delta) lässt keine exakten Schätzungen zu.

Bedenken Sie aber: Wenn eine Spekulation schief läuft, weil Sie auf die falsche Richtung des Basiswerts gesetzt haben, werden Ihre Verluste mit einem Optionsschein etwas abgemildert. Der Warrant notiert dann nämlich zunehmend aus dem Geld, was nichts anderes bewirkt, als dass das Delta sinkt. Und dies wiederum bedeutet, dass Ihr Schein immer schwächer auf die unerwünschten Kursänderungen des Basiswerts reagiert.

Das Hebelprodukt hingegen verliert in einer solchen Situation immer gleich stark. Jeden Euro, den der Basiswert in die „falsche“ Richtung läuft, verliert auch das Hebelprodukt. Schließlich verfällt es vorzeitig (fast) wertlos, weil die K.O.-Schwelle verletzt wurde.

Wenn Sie also auf die falsche Richtung des Basiswerts setzen und womöglich auch noch ein Hebelprodukt mit eng anliegender K.O.-Schwelle besitzen, ist die Gefahr des Schiffbruchs sehr groß. Die beeindruckenden Chancen aufgrund eines ggf. hohen und vom Kaufzeitpunkt an konstanten Hebels sind leider auch untrennbar mit den entsprechenden Totalverlustrisiken verbunden.

2. Volatilitätsänderungen sind keineswegs immer schlecht

Wenn Aktienkurse sinken, steigt in aller Regel die implizite Volatilität, welche in die Optionsscheinpreise eingerechnet wird. Folglich werden Warrants relativ gesehen teurer, egal ob Call oder Put. Damit bekommt die obige Überlegung eine weitere Komponente: Wenn Sie auf Calls gesetzt haben, die Kurse des Basiswerts aber sinken, dann werden Ihre Verluste im Optionsschein geschmälert, weil höchstwahrscheinlich auch die implizite Volatilität ansteigen wird. Bei Knock-Out-Produkten Long ist dieser positive Volatilitätseffekt dagegen nicht existent.

Zudem wären Puts jetzt unter Umständen einem Short Knock-Out-Produkt vorzuziehen. Wenn wir einen Put und ein Short Knock-Out-Produkt mit gleicher Laufzeit und gleichem Basispreis unterstellen, dann wird das Knock-Out-Produkt zunächst einmal stärker positiv auf die sinkenden Kurse des Basiswertes reagieren. Denn schließlich hat es ein Delta von (fast) -1, während der Put diese Eins-zu-eins-Partizipation nur sehr tief im Geld nahezu erreicht. Es könnte aber sein, dass der Put auch aufgrund der anziehenden Volatilität so stark hinzugewinnt, dass er das Short Knock-Out-Produkt letztlich doch in Sachen Performance überholt.

Allerdings ist zu bedenken: Geht man davon aus, dass Volatilitäten eher sinken, wenn die Basiswertkurse steigen, dann macht dies ein Put-Investment besonders gefährlich. Denn nicht nur der Basiswert läuft in die falsche Richtung und belastet den Optionsscheinkurs, sondern der Put verliert zudem noch, weil die implizite Volatilität sinkt.

3. Speziell bei kurzfristigen Trades sollte man die Alternativen abwägen

Überprüfen Sie vor allem bei kurzen Laufzeiten, ob ein Optionsschein, der ebenso weit im Geld notiert wie das vergleichbare Knock-Out-Produkt, überhaupt merklich teurer ist. Wenn Sie eine Spekulation über wenige Tage planen und dafür sehr kurzlaufende Produkte nutzen möchten, kann es durchaus vorkommen, dass zum Beispiel ein deutlich im Geld notierender Call kaum noch Aufgeld besitzt. Er wäre dann einem Long Knock-Out-Produkt mit gleichem Basispreis vorzuziehen. Der Grund: Sofern die Spekulation aufgeht, haben Sie mit dem Call kaum Nachteile. Er wird auf die steigenden Kurse des Basiswerts auch ungefähr eins zu eins reagieren, da sein Delta nahe bei 1 notiert. Wenn das Underlying aber entgegen Ihrer Erwartung sinkt, profitieren Sie davon, dass der Call ein abnehmendes Delta besitzt und nicht sofort (wertlos) verfällt, falls der Basispreis unterschritten wird.

Wertvolle Hilfestellung zum rasend schnellen Auffinden der passenden Optionsscheine

Letztlich führt kein Weg an einer differenzierten und auch situationsbedingten Entscheidung zwischen Optionsscheinen und Knock-Out-Produkten vorbei, die immer wieder neu zu überdenken ist.

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