Ein Trend ist mehr als eine einfache Linie

Ausgeprägte Trendbewegungen sind das Beste, was einem Anleger passieren kann. Bestehende Positionen müssen dann einfach nur mit einer guten Portion Geduld getreu dem Motto “Gewinne laufen lassen” durchgehalten werden. Abgesehen von kleineren Konsolidierungen wird sich das eingesetzte Kapital positiv entwickeln. Die einzige Überlegung besteht darin, ab wann Gewinne mitgenommen werden. Doch wie ist eigentlich eine Trendbewegung definiert?

Ein Aufwärtstrend ist immer durch höhere temporäre Hochs und höhere temporäre Tiefs im Kursverlauf gekennzeichnet. Ein Abwärtstrend lässt sich umgekehrt durch tiefere Hochs und tiefere Tiefs erkennen. In einen Chart sollten zunächst diese Niveaus identifiziert werden (siehe Abbildung). Erst dann sollte man das “Lineal hervorholen” und die entsprechenden Trendlinien einzeichnen. Diese ergeben sich im Aufwärtstrend durch eine Verbindung der Tiefpunkte und im Abwärtstrend durch eine Verbindung der Hochs. Warum Sie sich aber nicht nur auf diese Linien verlassen sollten, zeigt die folgende exemplarische Trenduntersuchung.

Verwirrung durch Trendlinien?

Trend und Trendlinien

Die nebenstehende Grafik eines realen, normierten Kursverlaufs verdeutlicht eventuelle Widersprüche zwischen der reinen Betrachtung von Trendlinien und dem Trend nach seiner herkömmlichen Definition. Wäre in einer Chartanalyse beispielsweise am Punkt “H4” von einem intakten Aufwärtstrend und vermutlich bald weiter steigenden Notierungen die Rede, müsste man wohl zunächst aufhorchen. Denn bereits auf den ersten Blick wäre erkennbar, dass zuvor doch offenbar viel steilere Linien den Aufwärtstrend definierten, die aber längst negativ durchbrochen wurden. Der Analyst zückt jedoch erneut sein Lineal, zeichnet eine flachere Trendlinie ein und erzählt nun, der Aufwärtstrend sei intakt. Und das ist im abgebildeten Beispiel auch durchaus zulässig. Der letzte größere Rücksetzer auf das temporäre Tief T3 hat den Aufwärtstrend nämlich nicht zerstört. Die positive Tendenz mit höheren Hochs und höheren Tiefs war weiterhin intakt.

Bei genauerer Betrachtung verlief der abgebildete Beispiel-Chart in einem untergeordneten Aufwärtstrend (siehe Kennzeichnungen „h1“ bis „h5“ und „t1“ bis „t5“). Nun fand dieser Bewegungsimpuls allerdings sein Ende. Zunächst wurde man durch das Unterschreiten von Trendlinie 3 vorgewarnt. Dann wurde das Hoch “h5” nicht übertroffen, und kurz danach wurde Tief “t5” unterschritten. Damit war der untergeordnete Aufwärtstrend per Definition beendet.

Man konnte hier zwar ganz kurzfristig eine Short-Position eröffnen. Doch eines musste dem charttechnisch orientierten Anleger klar sein: Es war nicht anzunehmen, dass der übergeordnete Aufwärtstrend schon zerstört wäre und eine Short-Position die Aussicht auf immense Gewinne hätte. Vielmehr musste man sich auf eine begrenzte Short-Spekulation einstellen und die Gewinne bei den ersten Anzeichen einer neuerlichen Stärke sofort sicherstellen. Der übergeordnete Aufwärtstrend wäre erst hinfällig gewesen, wenn das Tief “T2” unterschritten worden wäre. Das geschah nicht. Der Markt drehte, Short-Positionen mussten sofort glattgestellt werden und Tief “T3” wurde als höheres Tief über “T2” markiert. Damit war der Aufwärtstrend weiter intakt, und es war zulässig, eine neue, flachere Trendlinie einzuzeichnen.

Fazit

Man sollte es nicht versäumen, einen Trend auch anhand seiner temporären Hochs und Tiefs zu bestimmen. In der Regel lässt sich dann “mit dem Lineal” eine Trendlinie einzeichnen, die oftmals verblüffend exakt vom Markt eingehalten wird. Diese Linie liefert Ihnen aber ausschließlich eine frühzeitige Entscheidungshilfe. Wie das Beispiel gezeigt hat, muss ein Trendlinienbruch keineswegs schon mit dem Ende des gesamten Trends einhergehen.

Bildquelle: Investox (www.investox.de), Lenz+Partner (www.taipan.de), bestwarrants-trading.de