So unterscheiden sich Optionen und Optionsscheine

Kurz gesagt sind Optionsscheine quasi ein Folgeprodukt aus den Optionen: Optionsscheine sind verbriefte und börsengelistete Optionen.
Oder anders ausgedrückt: Optionsscheine funktionieren wie Optionen. Letztere sind jedoch nicht über eine Wertpapierkennummer (bzw. ISIN) an der Börse handelbar.

Um die Unterscheidung zwischen beiden Finanzprodukten genauer zu verdeutlichen, müssen wir zunächst zwischen zwei Typen von Börsen differenzieren. Es gibt sogenannte Kassa-Börsen und Terminbörsen.

Kassa-Börse

Erstere sind die “ganz normalen” Handelsplätze wie Frankfurt, Xetra oder diverse Regionalbörsen. An diesen Börsen lassen sich verschiedenste Finanzinstrumente mit einer eindeutig beschreibenden Wertpapierkennummer (WKN) bzw. ISIN (International Securities Identification Number) handeln. Maßgeblich ist, dass der abgeschlossene Kauf/Verkauf zwischen zwei Parteien sogleich zur Lieferung der entsprechenden Wertpapiere gegen Übereignung des vereinbarten Geldes führt. Alles geschieht zu einem Zeitpunkt, nämlich sofort. Dass in der Realität zwei Tage zur Valutierung vergehen, interessiert hier nicht.

Terminbörse

Terminbörsen sind anders gestrickt. Hier werden heute Verträge geschlossen, die aber nicht sofort zum Tausch eines Finanzinstrumentes gegen Geld führen. Stattdessen werden die Lieferungen von Wertpapieren, Währungen oder auch Waren gegen Zahlung auf einen zukünftigen Termin verschoben. Die maßgebliche Terminbörse in Deutschland ist die EUREX. Hier gibt es zunächst einmal keine Wertpapiere im eigentlichen Sinne. Wenn man es einmal einfach darstellen möchte, bietet die EUREX lediglich eine Plattform zum Abschluss standardisierter Verträge für bedingte (Optionen) oder unbedingte (Futures) Termingeschäfte an. Hier emittiert niemand irgendwelche Papiere mit einer Wertpapierkennummer. Vielmehr müssen immer zwei anonyme Marktteilnehmer aufeinandertreffen, die die entgegengesetzten Positionen in einem dieser standardisierten Verträge einnehmen möchten.

So will Herr A zum Beispiel eine bestimmte Call-Option auf die Aktien der Daimler AG kaufen. Dann muss aber auch ein Herr B aktiv sein, der die gleichen Optionen in entsprechender Stückzahl und zu einem passenden Preis verkaufen möchte. Herr B verkauft also etwas, das er gar nicht besitzt und das auch erst zu existieren beginnt, weil sich A und B (anonym) geeinigt haben. Herr B nimmt eine sogenannte Short-Position in der betreffenden Call-Option ein. Man bezeichnet ihn als Stillhalter, weil er brav abwarten muss und die zugrundeliegende Daimler-Aktie zu liefern hat, wenn Herr A die Ausübung seines Rechtes verlangt. Herr A und B kennen sich natürlich nicht. Verwaltet und abgerechnet werden alle Forderungen und Verpflichtungen aus den Optionen und Futures, die an der Terminbörse gehandelt werden, über das sogenannte Clearing-Haus.

Für uns ist interessant, dass wir als Privatanleger in Optionsscheinen niemals die Position von Herrn B einnehmen können. Wir können einen Optionsschein nur verkaufen, wenn wir ihn vorher besessen haben. Hier tritt immer der Emittent an die Stelle von Herrn B. Der Emittent ist Verkäufer und damit Stillhalter in den herausgegebenen Warrants. Er besitzt alle Verpflichtungen uns gegenüber, falls wir von unserem Recht, das wir mit dem Optionsschein erworben haben, Gebrauch machen wollen.

Wenn ein Emittent nun Optionen konstruiert, diese verbrieft und damit für uns an der Kassa-Börse handelbar macht, ist er dabei nicht an die standardisierten Vorgaben der Terminbörse gebunden. Er kann Warrants auf beliebige Basiswerte und mit beliebigen Ausstattungsmerkmalen auflegen. Allein entscheidend ist, ob genug Anleger an bestimmten Papieren überhaupt Interesse haben könnten.

Fassen wir also nochmals zusammen: An der Terminbörse werden standardisierte Optionskontrakte gehandelt. Dies sind keine Wertpapiere im engeren Sinne. Daher können Investoren dort Long- und Short-Positionen eingehen. Optionsscheine werden hingegen nur an der Kassa-Börse (bzw. “Präsenzbörse”) oder einfach direkt mit dem Emittenten gehandelt. Sie sind Optionen, die vom Emittenten frei von jeder Standardisierung konstruiert, verbrieft und damit an der Börse handelbar gemacht werden.

Bildquelle: Investox (www.investox.de), Lenz+Partner (www.taipan.de), bestwarrants-trading.de