Gruppen von Indikatoren

Oszillatoren vs. Trendfolger

In der Literatur unterscheidet man technische Indikatoren grundsätzlich nach Trendfolgern und Oszillatoren. Erstere sollen die trendmäßige Richtung des Marktes anzeigen und dabei kleinere Schwankungen der Kurse ignorieren. Letztere sollen vor allem in Seitwärtsphasen des Marktes überkaufte bzw. überverkaufte Situationen sichtbar machen und dem Anleger so das frühzeitige Eingehen der Gegenposition ermöglichen.

Hier werden jedoch zwei abweichende Möglichkeiten der Gruppenbildung technischer Indikatoren vorgeschlagen. Der Grund für diese abweichende Einteilung liegt in der häufig nicht eindeutigen Trennung zwischen Oszillatoren und Trendfolgern. Beispielsweise ist der Moving Average Convergence/Divergence (MACD) in seiner Grundform zwar als trendfolgender Indikator zu bezeichnen. Seine vielfältigen, für die praktische Anwendung vorgeschlagenen Modifizierungen und Analysemethoden lassen jedoch ebenso eine Zuordnung zu den Oszillatoren zu. Ebenso liefert der Stochastic Indikator ein Beispiel für die unscharfe Trennung zwischen Oszillatoren und Trendfolgern. Trotz der grundsätzlichen Konzeption als Oszillator, der überkaufte und überverkaufte Marktsituationen erkennbar machen soll, kann der Stochastic Indikator oftmals durchaus profitable, trendfolgende Signale generieren, wenn er in seiner Standardinterpretation eigentlich bereits eine überkaufte bzw. überverkaufte Marktsituation anzeigt.

Reagierende vs. proagierende Ansätze

In aller Regel sind technische Indikatoren mit einem zeitlichen Lag reagierende Ansätze, die demnach eine deutliche Indikation für die zu erwartende Bewegung in der Basiszeitreihe erst anzeigen, wenn ein Teil der prognostizierten Bewegung bereits vollendet ist.

Daneben gibt es eine Gruppe proagierender Ansätze. Proagierende Ansätze nehmen temporäre Höchstmarken bzw. Tiefstkurse innerhalb einer Kursbewegung vorweg. Beispiele für solche proagierenden Indikatoren sind die meisten Sentiment-Indikatoren. Indem diese Ansätze die Marktstimmung wiederzugeben versuchen, sollen sie als Kontraindikatoren auf Basis des Konzeptes der „Contrary Opinion“ bevorstehende Höchst- bzw. Tiefstkurse im Markt frühzeitig vorwegnehmen. Beispiele für Sentiment-Indikatoren sind die Put-Call-Ratio und der Investitionsgrad der Investmentfonds. Sie werden auf Indizes angewandt, die die Verfassung des Gesamtmarktes widerspiegeln.

Unterscheidung anhand der Skalierung

Die Unterscheidung anhand der Skalierung ermöglicht die Bildung zweier klar abgegrenzter Indikatorgruppen innerhalb der reagierenden Ansätze.

In dieser Gruppe finden sich alle Indikatoren, deren Zeitreihen nicht im selben Chart zusammen mit dem Kursverlauf des Wertpapiers betrachtet werden. Diese Indikatoren werden mit einer eigenen Skalierung in einen separaten Chart eingezeichnet, und aus ihrem Verlauf werden Rückschlüsse auf den Verlauf des Wertpapiers gezogen. Ein Beispiel aus dieser Indikatorgruppe ist der bereits namentlich erwähnte MACD.

Die zweite Gruppe in der hier gewählten Einteilung wird von technischen Indikatoren gebildet, die direkt in den Chart des Basistitels mit eingezeichnet werden. Die Analyse erfolgt hier, indem der Kursverlauf des Wertpapiers direkt mit dem Kursverlauf des Indikators in Zusammenhang gebracht wird. Prominentestes Beispiel aus dieser Gruppe sind die gleitenden Durchschnitte.

Indikatoren, die in einen eigenen Teilchart mit eigener Skalierung eingezeichnet werden, bieten eine Vielfalt an Analysemöglichkeiten. Der Anwender kann zum Beispiel das Verhalten des Indikators im Verhältnis zu einer Trigger-Linie, das Durchschreiten von Extremzonen oder auch Divergenzen zum Verlauf des Basistitels untersuchen. Sogar das Einzeichnen von Trendlinien, Widerstands- und Unterstützungslinien an Indikatorverläufe wird häufig praktiziert. Diese Gruppe der Indikatoren ist in der Analyse demnach letztlich der Subjektivität des Anlegers ausgesetzt, wenn nicht mit objektiv überprüfbaren Regeldefinitionen auf Basis der Indikatorwerte gearbeitet wird. In der Regel werden verschiedene Anleger demnach auch verschiedene Schlüsse aus dem Verlauf eines einzigen Indikators bezüglich der zukünftigen Bewegung des Basistitels ziehen.

Die zweite Gruppe der technischen Indikatoren, die direkt in den Chart des Basistitels mit eingezeichnet werden und die im direkten Zusammenhang mit dem Basistitel Signale erzeugen, bieten solche weitläufigen Interpretationsmöglichkeiten dagegen kaum.